Einfache Nachbearbeitung: Farbfotos in s/w und das Verlaufswerkzeug

bearbeitung_sw_verlauf

Bei zahlreichen Farbfotos gefiel uns bei der Aufnahme ein bestimmter Moment, ein bestimmter Ausdruck und doch wirken die Bilder in Farbe oft etwas langweilig und fade. Manchmal liegt der Grund einfach darin, dass es eher eine Schwarz-Weiss-Motivation war und die verschiedenen Lichteffekte erst so richtig in monochromer Darstellung zur Geltung kommen.
Meist hilft aber das bloße Entsättigen – also das „Herausnehmen“ der Farben – auch nicht weiter. Das ursprüngliche Farbfoto wird hierdurch erst einmal in zahlreichen Graustufen dargestellt. Langweilig sieht es danach oft immer noch aus.

Erst eine Trennung der einzelnene Farbkanäle einer sogenannten RGB-Darstellung (rot, grün, blau) und die weitere Bearbeitung des daraus ausgewählten Kanals, der die besten Kontraste aufweißt, hilft hier weiter.

In einem nächsten Schritt kann durch das Verlaufswerkzeug ein sehr schöner Effekt erzielt werden. Mit dem Verlaufswerkzeug kann noch einmal die Beleuchtungssituation hervorgehoben oder optimiert werden. Überbelichtete Bereiche können abgedunkelt, ungewollt unterbelichtete Bereiche aufgehellt werden. Aber auch eine deutlichere Blickführung über das Bild, durch die Hervorhebung von Wesentlichem ist mit diesem Werkzeug sehr gut möglich.

Im Einzelnen will ich das hier einmal in groben Zügen am Beispiel einer Bearbeitung mit dem kostenlosen Programm GIMP beschreiben.

 

Farbfoto in s/w umwandeln

1. Ausgangssituation ist ein unbearbeitetes JPEG aus der Kamera, welches in GIMP geöffnet wird.

ausgangsfoto

2. Das Farbfoto wird in die einzelnen RGB-Kanäle zerlegt: Farben -> Komponenten -> Zerlegen …

kanaele_extrahieren

3. Die Kanäle lassen sich durch Klick auf das Augensymbol einzeln betrachten.

kanaele

4. Im Einzelnen kann das dann so aussehen:

rot

Rot: sehr viele helle und kontrastlose Bereiche => für die Weiterbearbeitung nicht geeignet.

gruen

Grün: ausgewogene Tonwerte und Kontraste => hier sehr gut für die weitere Bearbeitung geeignet!

blau

Blau: hier sind die Tonwerte schon wieder nicht mehr so ausgeglichen und es gehen Konturen verloren => für die Weiterbearbeitung nicht geeignet

5. Im nächsten Schritt wird eine Kopie des Grün-Kanals weiter bearbeitet. Das funktioniert wiederum nur im RGB-Modus (also eigentlich mit allen drei Farbkanälen), das ausgewählte Bild befindet sich allerdings im Graustufen-Modus. Hierfür wird unter Bild -> Modus -> RGB ausgewählt! Am Bild ändert sich dabei sichtbar zunächst überhaupt nichts.

Nun können beispielsweise die Gradationskurve des Bildes (hier Farbkurve) verändert werden. Dadurch erscheint das Bild härter oder weicher. Helle und dunkle Bildbereiche können verstärkt oder abgemildert werden. Dazu werden entweder die zu verändernden Bildbereiche mit der Pipette ausgewählt und anschließend anhand der Linie in der Kurve verändert oder man spielt einfach ein wenig mit der Kurve herum und schaut, was sich im Bild verändert 😉

farbkurven

Rechts oben sind die hellen Bildbereiche, links unten die dunklen Bereiche dargestellt.

6. In einem weiteren Schritt könnten noch die Tonwerte und der Tonwertumfang verändert werden. Auch das macht das Bild etwas Kontrastreicher oder weicher.

tonwert

Hier wurden der mittlere Wert im oberen Diagramm (Quellwerte) von 1,00 auf 0,85 verringert. Die Mitteltöne werden dadurch etwas dunkler. Die Wert für die hellen Töne von 255 auf 220 reduziert, was dazu führt, dass die hellen weißen Anteile im Bild mehr hervorgehoben werden. Schließlich wurde noch am unteren Regler (Zielwerte) der Umfang der Tonwerte im Bereich der dunklen schwarzen Töne reduziert. Sodass das Bild etwas ausgebleichter und weicher wirkt.

Verlaufswerkzeug

7. Im letzten Schritt kommt nun das Verlaufswerkzeug zum Einsatz. Es wird mit gedrückter und anschließend gehaltener linker Maustaste im Bild gesetzt und in die Richtung gezogen, in welcher sich ein bestimmter Verlauf im Bild fortsetzen soll. Anschließend wir die Maustaste wieder losgelassen.

Soll wie im Beispiel der linke Teil des Bildes abgedunkelt bzw. etwas stärker getont erscheinen, wird das Verlaufswerkzeug im Gesicht des Modells angesetzt und nach links gezogen. Die Länge auf die das Verlaufswerkzeug gezogen wird, legt fest auf welcher Strecke im Bild der Verlauf stattfinden soll. Eine kurze Länge des Verlaufswerkzeuges führt dabei zu einem sehr kurzen Verlauf (im eingestellten Beispiel würde bei einer Länger von 2 cm im Bild eine Deckkraft von 0% bis 75% auf diesen 2 cm stattfinden. Wird das Verlaufswerkzeug länger gezogen, verteilt sich der Verlauf auf eben dieser Länge. Was die Deckkraft, den Verlaufsmodus, die Länge und Richtung betrifft, ist auch wieder Ausprobieren die beste Methode, zu einem passenden Ergebnis zu finden!

verlaufswerkzeug

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